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Waffen: Vom Freizeitgerät zum geächteten Verbotsgut

Quelle Katalog 1967Vor 1972 konnten volljährige Deutsche, je nach Bundesland, Langwaffen für die Freizeit und den Selbstschutz im Versandhandel kaufen. Beliebt waren insbesondere Schrotflinten und Flobertbüchsen.

1972 beschrieb der Gesetzgeber Schusswaffen im Sinne des Gesetzes als

“Geräte, die zum Angriff, zur Verteidigung, zum Sport, Spiel oder zur Jagd bestimmt sind und bei denen Geschosse durch einen Lauf getrieben werden.”

Der "Passus Sport, Spiel oder zur Jagd" war im Schusswaffengesetz von 1928 noch nicht enthalten.

Während die Zwecke Jagd und Sport in späteren Verordnungen bereits erwähnt waren, tauchte Spiel als Zweck erstmals im Bundeswaffengesetz (BWaffG) 1968 auf. Der Gesetzgeber begründete dies damit,

„dass die Spielzeugindustrie Spielzeugwaffen auf den Markt gebracht habe, die nicht nur wegen der täuschend ähnlichen Nachahmung, sondern auch wegen der mit ihnen zu erreichenden Bewegungsenergie der Geschosse eine Gefahr darstellten“.

Nach 1972 gab es somit vier akzeptierte Bedürfnisse für zivile Besitzer: Schutz, Sport, Spiel und Jagd. Für die Freizeit wurde die Energiegrenze von 7,5 Joule eingeführt. Für Waffen mit höherer Energie, die vorher frei zu erwerben waren, kamen Meldepflicht, Erwerbsscheine und Regelkontingente.1972 war die Mehrheit der Politiker und der Bevölkerung im Krieg mit “echten” Waffen (Panzer, Raketenwerfer, Sturmgewehre, Bomben) in Berührung gewesen. Für sie waren Waffen normal. Schrotflinten und Flobertbüchsen wurden eher als Kinderkram belächelt. An jeder Garderobe eines Jägers hing offen die Schrotflinte, es gab keine Tresorpflicht, Kindern brachte man im Garten das Luftgewehrschießen bei und die meisten Jäger gingen zunächst mal “wildern”, d.h. als Begleiter ohne Jagdschein mit der Familie mit. Statt Verbote gab es Aufklärung. Und ja, mit Schusswaffen wurden vor 1972 häufiger gedroht und geschossen als heute; tötliche Anwendungen waren jedoch ebenso selten wie jetzt.

Weiterlesen/Quelle: Triebel's Blog

Berlin