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Einige internationale Fakten zu Waffenverboten und Mordraten

DrGary MauserÜbersetzung des Artikels "Some International Evidence on Gun Bans and Murder Rates" von Gary Mauser, der eine Kurzfassung der an der Harvard Universität publizierten Studie "Would Banning Firearms Reduce Murder and Suicide?" von Don B. Kates und Gary Mauser darstellt, die gerade von Breitbart u.a. vorgestellt wird.

Gary Mauser, PhD, ist Professor Erimitus in Business Administration und im Institute for Canadian Urban Research Studies an der Simon Fraser University. Er schreibt in Ich-Form in seiner Zusammenfassung:

Der Generalstaatsanwalt von Ontario hat vor kurzem behauptet, dass der private Schusswaffenbesitz zu einem Anstieg der Mordrate beiträgt und forderte deshalb ein Verbot von Kurzwaffen (Kari, 2007).

Diese Behauptung lässt sich jedoch anhand der internationalen kriminologischen Forschungen nicht belegen. Die Forschungen zeigen, dass Staaten mit vielen zivilen Schusswaffen - auch mit Kurzwaffen- keine höheren Mordraten aufweisen als Staaten mit geringem Privatwaffenbesitz.

Eine umfangreiche Studie, die ich vor kurzem mit dem amerikanischen Kriminologen und Verfassungsrechtler Don Kates veröffentlicht habe, bestätigt die negativen Ergebnisse der bisherigen internationale Studien (Kates und Mauser, 2007).[1] Unsere Studie verglich Daten von einer großen Zahl von Ländern auf der ganzen Welt. Wir analisierten öffentlich zugängliche Daten aus Studien der Vereinten Nationen und des Small Arms Survey aus Genf daraufhin, ob es einen Zusammenhang zwischen dem zivilen Besitz von Feuerwaffen und Totschlag und Selbstmordraten gibt.

 

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In Europa, zum Beispiel, gibt es kaum Länder mit hoher Waffenbesitz-dichte, deren Mordraten höher liegen als die der Nachbarländer mit weniger Waffenbesitzern (Tabellen 1 und 2).

Die Daten scheinen eher das Gegenteil zu belegen; die Gründe hierfür werden weiter unten beschreiben.  Beispielsweise hat Norwegen eine der höchsten Raten von Schusswaffenbesitz pro Kopf in Westeuropa, aber dennoch eine der niedrigsten Mordraten. Andere Staaten mit großem Besitz an Schusswaffen und vergleichsweise niedrigen Mordraten sind Dänemark, Griechenland, die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Holland hat eine 50 Prozent höhere Mordrate als Norwegen. obwohl es zu den Ländern in Europa mit den niedrigsten Raten an privaten Waffenbesitzern zählt. Und Luxemburg hat trotz seines Kurzwaffen-verbots eine Mordrate, die vergleichbar mit Ländern wie Norwegen und Österreich ist.

In Nordamerika ist der Zusammenhang nicht so eindeutig, aber der Vergleich zwischen Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten unterstützt nicht die These "mehr Waffen, mehr Mord" (Tabelle 3). Die USA hat die höchste Zahl von zivilen Waffen pro Kopf, aber nicht die höchste Mordrate. Diese hat Mexiko, welches die niedrigste Zahl an zivilen Waffen aufweist. Kanada hat die niedrigste Mordrate der drei Länder, aber eine mittlere Waffenbesitzdichte.

Verbote sind selten effektiv. In Staaten, wo der Zugang zu Waffen stark eingeschränkt ist, schaffen Kriminelle es trotzdem, sich zu bewaffnen.

tafel2Nach Jahrzehnten immer strengerer Waffengesetze verbot Großbritannien im Jahr 1997 Kurzwaffen und zog die registrierten Kurzwaffen ein. Doch erhöhten sich von 1997 bis 2005, die beiden Raten für Morde insgesamt und Morde mit Schusswaffen um mehr als 25 Prozent. [2]

Trotz der Beschlagnahme aller Kurzwaffen im Besitz von gesetzestreuen Briten, beschrieb ein Polizist aus dem Großraum London (Metropolitan) die Situation wie folgt:  "Die Waffengewalt ist auf den Straßen Grobritanniens außer Kontrolle"(UK News, 2007).

Selbst wenn Waffenverbote funktionieren würden, hätten potentielle Mörder viele alternative Waffen zur Verfügung. Acht Jahrzehnte der staatlichen Kontrolle führten in Russland zu einem sehr niedrigen Privatwaffenbesitz, daraus resultierend gab es auch wenige Morde mit Schusswaffen. Doch Russlands Mordrate waren viele Jahre lang viermal höher als jene in den USA und 20 mal höher als in Ländern wie Norwegen. Ehemalige Ostblockländer wie Litauen hatten ebenfalls Kurzwaffenverbote und strengste Auflage für Langwaffen. Auch dort lagen die Mordraten 10 bis 15 mal höher als in den europäischen Staaten mit sehr viel höherem Waffenbesitz (Tabelle 2).

tafel3Weltweit betrachtet ist es ein Mythos, dass Staaten mit mehr Schusswaffen in zivilen Händen unter höheren Mordraten leiden würden. Die Vereinten Staaten untersuchten Mordraten und Waffenbesitz in 33 Staaten (United Nations, 1997). Der fehlende Zusammenhang ist in Abbildung 1 anschaulich dargestellt. [3]

Amerikanische demographischen Daten widerlegen ebenfalls den Mythos, dass weniger Waffen in einer Gemeinschaft weniger Mord bedeuten. Die Mordrate unter den Afro-Amerikaner ist sechsmal höher als bei Weißen. Bedeutet dies, dass Afro-Amerikaner mehr Waffen besitzen? Nein. Im Durchschnitt besitzen gesetzestreue Afro-Amerikaner deutlich weniger Waffen als Weiße. Das Argument für allgemeines Waffenverbot ist widerlegt, da weniger Waffen für gesetzestreue Afro-Amerikaner nicht bedeutet, dass es weniger Waffen für Afro-amerikanische Kriminelle gäbe.

Übrigens besitzen ländlichen Afroamerikaner genauso so häufig Waffen wie Weiße, aber die Mordrate bei der Landbevölkerung ist ein winziger Bruchteil der Rate der städtischen Afroamerikaner  (Kates und Mauser, 2007, S. 676-677).[4]

Wenn man die Rassenfrage ausser Acht lässt, ist die Unterscheidung zwischen guten Menschen und Verbrechern von entscheidender Bedeutung.

Es ist völlig falsch anzunehmen, dass die meisten Mörder gewöhnliche Menschen sind, die auf die schiefe Bahn gerieten, weil sie Waffen besitzen.

Die überwältigende Mehrheit der Mörder hat eine Historie, in der Gewaltelikte, einstweilige Verfügungen, Suchtproblemen, und/oder eine Form der Psychopathologie enthalten sind. [5]abb1

tafel4 Die Kanadische Statistik unterstützt ebenfalls nicht die Behauptung,  dass mehr Waffen in einer Gemeinschaft zu mehr Morde führt (Tabelle 4). Die atlantischen Provinzen haben eine relativ hohe Zahl an Waffenbesitz pro Kopf, aber auch eine der niedrigsten Mordraten im Land. Das andere Extrem ist British Columbia, wo es die wenigsten Haushalte mit Schusswaffen gibt,  aber einer relativ hohe Mordrate.

Es ist in der Regel verboten, dass solche Leute legale Waffen besitzen dürfen, aber im Gegensatz zu den guten Menschen, ignorieren diese die Waffengesetze ebenso wie sie Gesetze gegen Gewalt ignorieren.

Die "mehr Waffen bedeuten mehr Morde" Mythologie zeigt sich auch anhand der Geschichte. Im 19.  Jahrhunderts führten einige amerikanische Staaten Waffenkontrollmaßnahmen ein (einige haben diese bis heute behalten), weil sie unter schweren Gewaltdelikten litten. In den meisten amerikanischen Staaten gab es geringe Mordraten trotz hohem Waffenbesitz und praktisch keiner Waffenkontrolle. Ebenso wies Europa niedrige Mordrate vor dem Ersten Weltkrieg auf trotz hohem Waffenbesitz und praktisch keiner Kontrolle. Strenge Waffengesetze wurden in Europa (aus politischen Gründen) in der turbulenten Zeit nach dem 1. Weltkrieg eingeführt. Doch trotz immer strengeren Waffengesetze, nahm in Europa sowohl die politische wie auch die unpolitische Gewalt zu. (Kates und Mauser, 2007, S. 678-685; Malcolm, 2002).

Wenn überhaupt, dann zeigt die Analyse der europäischen Erfahrungen, dass mehr Waffen mit weniger Morden zusammenhängen. Neun europäische Staaten (darunter Deutschland, Österreich, Dänemark und Norwegen) haben mehr als 15.000 Waffen pro 100.000 Einwohner. Neun andere Länder (einschließlich Luxemburg, Russland und Ungarn) haben weniger als  5.000 Waffen pro 100.000 Einwohnern. Aber die Gesamtheit der Mordrate dieser neun Länder mit wenigen Waffen ist  dreimal höher als die der neun waffenstarken Staaten.

Man könnte jetzt argumentieren, dass dies bedeute, dass weit verbreiteter Waffenbesitz tatsächlich Gewaltdelikte reduziere. Es gibt deutliche Hinweise, dass dies auf die Vereinigten Staaten zutrifft, wo Waffenbesitz zur Selbstverteidigung sehr häufig vorkommt (Lott und Senf, 1997; Kleck, 1997, S. 184-186). Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass eine kleine Anzahl von Kanadiern dies ebenfalls tun (Mauser, 1996). Aber es gibt keine Beweise, dass Norweger, Deutsche und andere Europäer ihre Waffen zur Verteidigung besitzen.

Der Grund, dass Staaten (oder Regionen innerhalb der Staaten) mit hohem Privatwaffenbesitz zu geringerer Gewalt neigen, ist eher politischer als kriminologischer Natur. Waffenbesitz im allgemeinen hat keine Auswirkung auf die Gewaltkriminalität einer Gesellschaft.

Gewalttätige Kriminalität wird von fundamentalen wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Faktoren bestimmt;  jedoch nicht durch den leichten Zugriff auf eines von einem ganzen Bündel an potentiellen Mordinstrumenten.

Politiker in Ländern mit hoher Gewaltkriminalität denken oft, dass ein Verbot von Waffen eine schnelle Lösung für ihre Probleme sei. Aber Waffenverbote funktionieren nicht. Wenn überhaupt, verstärken sie sogar die Probleme. Sie entwaffnen die gesetzestreuen Bürger, werden jedoch von den Gewalttätern und Kriminellen ignoriert.

Trotzdem tendieren Länder mit schwerer Gewalt zu sehr strengen Waffengesetzen. Als Beispiel dienen Jamaika und die Republik Irland. Beide Länder hatten in den siebziger Jahren alle Waffen verboten. Trotzdem hatten Morde insgesamt und Morde mit Schusswaffen weiter zugenommen (Mauser, 2007). Auch sind die Mordrate in US-Städten mit Kurzwaffenverboten wie New York, Chicago  und Washington, DC weit höher als in Staaten wie Pennsylvania und Connecticut, wo Kurzwaffen erlaubt und weit verbreitet in Besitz sind.

Zusammengefasst führen Waffenverbote für die allgemeine Öffentlichkeit zu einer steigenden Verwundbarkeit der Bürger und nicht zu einer Reduzierung von Gewalt, da die gesetzestreuen Bürger Opfer von Gewalttaten sind und nicht die Täter.

Waffenverbote für Gewalttäter, Jugendliche und Menschen mit psychische Erkrankungen (die bereits im kanadischen wie auch in den amerikanischen Gesetzen enthalten sind) sind gute Maßnahmen, wenn es auch schwierig ist, diese Gesetze durchzusetzen. Deshalb forderte ich im Jahr 2006, die Regierung solle sofort eine Liste von Personen mit hohem Risiko erstellen (z. B. verurteilte Gewalttäter, einschließlich derjenigen, die auf Bewährung entlassen wurden und der Personen, die per Haftbefehl gesucht werden) und ermutigte die RCMP und die kanadische Einwanderungsbehörde diese Liste zu verwenden, um gefährliche Straftäter zu kontrollieren (Mauser, 2006).

Die Entwaffnung diejenigen, die sich nur selbst verteidigen wollen, ermächtigt lediglich die Verbrecher auf Kosten der Unschuldigen.

Anmerkungen:

[1] Zu den früheren Studien, die die Beziehung zwischen den nationalen Raten des Privatwaffenbesitz und Mordraten in einer Reihe von der Ländern untersucht haben, sind Greenwood, 2000; Killias et al, 2001;. Kleck, 1997; und Miron, 2001.
Trotz der Unterschiede in der Methodik und der ideologischen Vorurteile der Autoren konnte keine dieser Studien belegen, dass es eine signifikante Beziehung zwischen Waffenbesitz, Mordraten und Selbstmordraten gäbe.

[2] Die Fallzahlen für Mord in England und Wales (der größten Region in Großbritannien) ergaben als Durchschnittswert von 703 pro Jahr während der letzten fünf Jahre vor dem Kurzwaffenverbot (davon 54 mit Schusswaffen). Diese erhöhte sich auf 895 pro Jahr (davon 61 mit Schusswaffen) für den Fünf-Jahres-Zeitraum bis Ende 2005 (Walker et al., 2006 Tabelle 2.04, S. 30). Die andere große Region in Großbritannien ist Schottland, wo die Mordrate während dieser Periode noch stärker stieg.

[3] Diese Abbildung basiert auf Colin Greenwoods (2000) Analyse der Daten, die die Vereinten Nationen zur Verfügung stellte. Die Qualität dieser Daten variieren, da sie von Ländern selber bereit gestellt werden. Mord/Totschlag haben leichte Abweichungen in ihrer Definition. Die Anzahl der Waffenbesitzer wurden anhand verschiedener Methoden ermittelt. In seiner Analyse teilt Greenwood die Datensätze in vier Kategorien anhand ihrer Größenordnung, von niedrig bis hoch.

[4] Kates und Mauser bezogen sich auf mehreren Studien, die die Kriminalitätsraten bezüglich Rassen in den Vereinigte Staaten untersuchten, z. B., Blumstein, 1995, S. 10, 21; Kleck, 1997, p. 71; und Fingerhut et al. 1992, S. 3048 und 3049, Tabelle 1.

[5] Diverse Studien kamen zu dem gleichen Befund. Darunter sind: Myers und Scott, 1998, S. 160-63; Langford, Isaak und Adams, 2000, in Blackman, S. 51, 55, 59; Straus, 1986, S. 446, 454, 457. In Kanada sind fast zwei Drittel der Erwachsenen, die des Totschlags angeklagt sind,  dafür bekannt, ein kanadische polizeilich bekannte Gewalthistorie aufweisen (siehe Dauvergne und Li, 2006, S.. 11).

Quelle mit umfangreicher Referenzliste: Fraser Institut: Some International Evidence on Gun Bans and Murder Rates

Für die Speicherung des Artikels auf unsere Webseite hatten wir 2011 die Erlaubnis von Prof. Dr. Gary Mauser eingeholt.

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