Banner Top

Schusswaffen – ein Stück Zivilisation

  • Autor:  Thomas Leske

Menschen können nur auf zwei Arten miteinander umgehen: mittels Vernunft oder mittels Gewalt. Wenn Sie wollen, dass ich etwas für Sie tue, entscheiden Sie sich entweder für den Einsatz von Argumenten oder für die Drohung mit Gewalt. Jeder zwischenmenschliche Umgang fällt ausnahmslos in eine dieser beiden Kategorien. Vernunft oder Gewalt, nichts anderes.

In einer gesitteten und zivilisierten Gesellschaft setzen die Menschen ausschließlich auf Argumente. Gewalt kann als Umgangsform keinen Platz beanspruchen, und das Einzige, das die Gewaltoption aus dem Spiel nimmt, ist die Handfeuerwaffe, so widersinnig das in manchen Ohren klingen mag.

waffe munitionWenn ich eine Waffe führe, können Sie nicht willkürlich mit mir umspringen. Sie müssen auf Vernunft setzen und versuchen, mich zu überzeugen, weil ich mich Drohungen und Angriffen widersetzen kann. Bei Schusswaffen handelt es sich um die einzigen Handwaffen, die eine zierliche Dame auf Augenhöhe mit einem durchtrainierten Straßenräuber bringen, ebenso wie einen alten Rentner mit einem jugendlichen Bandenmitglied, oder einen unbegleiteten Schwulen mit einem Rudel betrunkener baseballschwingender Skinheads. Die Schusswaffe gleicht Unterschiede in körperlicher Kraft, Größe und Anzahl zwischen potentiellen Angreifern und Verteidigern aus.

Viele sehen Schusswaffen als Quelle des Unheils im Kräftespiel. Dabei handelt es sich um diejenigen, die glauben, es würde gesitteter zugehen, wenn alle Schusswaffen aus der Gesellschaft entfernt würden, weil eine Schusswaffe dem Straßenräuber sein Handwerk erleichtert. Das stimmt natürlich nur, wenn seine potentiellen Opfer überwiegend unbewaffnet sind entweder aufgrund eigener Entscheidung oder durch gesetzliche Anordnung, andernfalls nicht. Selbst wenn er bewaffnet ist, kann ein Straßenräuber seinen Lebensunterhalt nur in einer Gesellschaft erfolgreich bestreiten, in welcher der Staat ihm ein Gewaltmonopol verschafft.

Dann gibt es noch den Einwand, dass Schusswaffen Auseinandersetzungen tödlich enden lassen, die sonst nur zu Verletzungen geführt hätten. Dies ist in mehrerlei Hinsicht ein Irrtum. Wären keine Schusswaffen beteiligt, würden Auseinandersetzungen von der körperlich Überlegenen Partei gewonnen und der Verlierer mit Verletzungen übersät. Menschen, die glauben, dass Fäuste, Knüppel, Stöcke und Steine keine tödliche Wirkung haben, schauen zu viel fern, wo im Drehbuch nach einer Prügelei allenfalls eine blutige Lippe vorgesehen ist. Die Tatsache, dass Schusswaffen den Einsatz tödlicher Gewalt erleichtern, kommt ausschließlich dem schwachen Verteidiger zugute – nicht dem starken Angreifer. Sind beide bewaffnet ist das Kräfteverhältnis ausgeglichen. Schusswaffen sind die einzigen Waffen, die in der Hand eines Greises ebenso tödlich sind wie in der Hand eines Gewichthebers. Dass Schusswaffen sowohl tödlich als auch leicht einsetzbar sind, kommt dem Ausgleich des Kräfteverhältnisses zu gute.

Wenn ich eine Schusswaffe führe, tue ich das nicht, weil ich auf Streit aus bin, sondern darauf in Ruhe gelassen zu werden. Die Schusswaffe an meiner Seite bedeutet, dass ich nicht gezwungen sondern nur überzeugt werden kann. Ich führe sie nicht, weil ich Angst habe, sondern weil sie mir gestattet, unerschrocken zu reagieren. Sie schränkt nicht die Handlungen derer ein, die mit mir vernünftig Umgang pflegen wollen, sondern nur die Handlungen jener, die mit mir willkürlich umspringen wollen. Sie nimmt die Gewalt aus dem Spiel. Aus diesem Grund zeugt das Führen von Schusswaffen von einer zivilisierten Gesinnung.

Quelle: Para Bellum

Berlin