Banner Top

Der Mensch ist des Menschen Wolf...

schiesssport ist freiheitIch schrieb diesen Artikel, weil ich mich durch einige Kommentare zu einem facebook-Eintrag des Hamburger FDP-Politikers Dr. Roland Rehmet, der sich offen als Sportschütze zu erkennen gibt, dazu genötigt sah. Aber warum? Nun es gibt viele Gründe: Erstens wird durch einige Kommentare deutlich, wie engstirnig oder eingeschränkt die Sichtweise vieler Leser ist - und darunter sind auch sogenannte "Sportschützen"! Zweitens sieht man an den Kommentaren vieler schiesssport-unberührten Leser, wie weit es die Zusammenarbeit aus Medien und Politik in den letzten Jahren gebracht hat! Erschreckend weit!

Aber konzentriere ich mich im ersten Abschnitt auf die Fakten und den Grund des vermeintlichen Aufruhrs. Ein FDP-Politiker aus Hamburg hat es doch tatsächlich gewagt, mit aufgesetzten Ohrenschützern und dem Slogan "Schießsport ist Freiheit" seine liberale Denkweise zum Ausdruck zu bringen! Welche frevelhafte Gedanken müssen diesem verworrenem Kopf denn sonst noch entspringen, wenn dieser Mann - der übrigens erfolgreiches und anerkanntes Mitglied in mehreren Schützenvereinen ist und dort selbst als Vorstandsmitglied unserem Sport nachgeht - glaubt, Schiesssport mit Freiheit gleichzusetzten. Und mit diesen Worten möchte er auch noch für den Bundestag kandidieren? Das ist erschreckend, nicht war? Erschreckend ist aber eher, das es so wahrgenommen wird.

Auffallend bei den vielen Kommentaren war das "friendly fire" - die Kritik aus den Reihen, die ebenfalls glauben, sich Schützenbrüder nennen zu dürfen! Ein facebook-User namens Dirk B. findet es zum Beispiel oberpeinlich, dass ein Politiker so in den Wahlkampf zieht und schwört auf die heren Ideale seiner Bruderschaft seines rheinischen Schützenvereins, die zum Beispiel auch die zentrale Lagerung der Waffen befürwortet. Aber wahrscheinlich glaubt er: "Ich bin in einem DSB-Verein und uns geht es (noch) gut. Und wenn uns Schützenbrüdern, die ja nur ein Kunstschiessen auf Pappscheiben zelebrieren, an den Kragen geht, dann wird uns der grosse DSB aus München schon irgendwie helfen!"

Wollen wir Herrn B. aus dem Rheinland weiterschlafen lassen oder wollen wir versuchen, ihn zu wecken - so wie es Katja Triebel und viele Andere es schon seit Jahren versuchen?1

O.K. - überredet: Es scheint mir, dass viele noch gar nicht begriffen haben, dass es den zahlreichen Verbotsfanatikern gar nicht um ein Verbot der Schützenvereine oder auch Jagdgemeinschaften etc. geht - das wäre sehr schwierig, da diese in der Geschichte unserer Gesellschaft ein hohes Ansehen geniessen.

Nein - es geht um das allgemeine Verbot von Schusswaffen in den Händen der normalen Bürger. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste man zuerst einmal die Bedürfnisse für diesen Besitz abschaffen und das versucht man zum einen durch die Diskreditierung der Gruppen, die man entwaffnen möchte.
Und parallel dazu treibt man einen Keil zwischen die unterschiedlichen Gruppen der Waffenbesitzer: egal ob Paintballer, Waffensammler, Sportschützen oder Jäger (die Gruppen aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen). Damit möchte man verhindern, dass diese Gruppen bei einer Reglementierung der eigenen Gruppe keine Unterstützung anderer Sympatisanten erhält.

Dass diese Verbotsfanatiker - aus welcher ideologischen Ecke sie auch immer kommen mögen - natürlich auf Unterstützung angewiesen sind, sollte jedem klar sein und der mächtigste Verbündete in diesem Kampf sind die Medien - und diese jahrelange Zusammenarbeit trägt schon Früchte: Man braucht in den Leserbeiträgen in einem Zeitungsartikel, der sich vorbehaltlos mit dem Thema Waffenbesitz auseinandergesetzt hat, nicht lange suchen, um endlich den abgenutzten Kommentar "Wollt Ihr Zustände wie in den USA?" zu finden. Ohne diese Zustände überhaupt zu kennen, wird dieses vermeintliche Totschlagargument gern herangezogen. Und das ist in erster Linie der Erfolg einer jahrelangen und einseitigen Desinformation unserer Medien. Wer dort an den Hebeln der Informationsmaschinerie sitzt und so die Meinung der Konsumenten manipuliert, kann man sich denken - Ideologen, in deren Weltbild Waffen nur in die Hände des Herrschenden gehören. Mal drüber nachgedacht? Warum werden denn so viele Kommentarbereich der Online-Zeitungen schlagartig deaktiviert, wenn die abgegebenen Meinungen die Aussage des Artikels ins Schwanken bringen?

Aber um das Geflecht aus Politik und Medien und anderen Organisationen zu entwirren, müsste man ein Buch schreiben - welches wahrscheinlich nie fertig würde...

Sicher ist nur eins: Nur wenn alle legalen Waffenbesitzer in unserem Land (egal ob Sportschütze, Jäger, Sammler, Paintballer oder Airgunner) endlich mal nicht nur an sich selbst denken und mal über den Tellerrand schauen und begreifen, dass man den anderen Waffenbesitzern lieber die Hand reichen sollte, um gemeinsam gegen die Gegner des legalen Waffenbesitzes bestehen zu können - nur dann wird es in den nächsten Jahren kein Waffengesetz nach koreanischem Vorbild bei uns geben! Also die Bitte an alle: Gebt Euch einen Ruck und akzeptiert endlich die anderen Waffenbesitzer, so komisch sie Euch auch vorkommen mögen! Es ist höchste Zeit...

Oder stänkerte Herr Dirk B. nur herum, weil dieser mutige Politiker einer Partei angehört, die er selbst nicht wählen würde? Wer hat denn dann aber die liberalen Ansichten?

Bitte denkt darüber nach!

1) Um es klar zu sagen: es ging nicht darum, den DSB madig zu machen; das liegt mir fern, weil dieser grosse Verband in den letzten Monaten zaghafte Schritte auf andere Verbände oder Interessengemeinschaften zugemacht hat und das ist für einen so grossen Dachverband schon eine Riesenleistung. Ein Riesenlob von meiner Seite! Wir hoffen und glauben, dass sich das Tempo in den nächsten Wochen und Monaten sicher noch erhöhen wird, denn es steht viel auf dem Spiel und das haben einige Funktionäre dort erkannt und erkennen in einer Allianz mit anderen Verbänden die größeren Chanchen bei einem politischen Konflikt. So sehe ich das zumindestens... Aber der DSB war hier wirklich nur das Beispiel, den der vermeintliche Schützenbruder erwähnt hatte...

Thomas Richter

Sportschütze & Wiederlader, Befürworter eines liberaleren Waffenrechts

Berlin