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Die WBKs wachsen doch nicht auf Bäumen!

  • Autor:  Dr. Robert Orosz

Zahlreiche Verbände (schießsportliche Vereinigungen) schießen gerne übers Ziel hinaus:  

Die Praxis der Waffenbefürwortungen für Sportschützen bzw. die hierfür geforderten Nachweise übertreffen vielfach irrwitziger Weise sogar  die gesetzlich verlangten Anforderungen (Stichwort "Sportschützeneigenschaften"). So werden beispielsweise zur Erteilung einer gelben WBK "Sportschützen-WBK" nach §14 Abs.4 WaffG im Wesentlichen eine 12 monatige Verbandszugehörigkeit bei aktiver Trainingsteilnahme mit WBK-pflichtigen Waffen sowie ein Waffensachkundenachweis gefordert.

Nicht explizit gefordert nach §14 Abs.4 WaffG (vgl. Hierzu Auszug zu Verwaltungsvorschriften) wird jedoch explizit eine "in Reichweite" verfügbare Schießstätte für die zu erwerbende Sportwaffe und auch nicht das konkret zu erwerbende Modell und schon gar nicht eine mit Wunschwaffentyp nachgewiesen geschossene Ringzahl. Eben ein solches Formular mit diesen Angaben wurde nach Rückfrage beim RSB für eine erste Waffenbefürwortung auf WBK gelb von mir verlangt. Auf Nachfrage beim RSB, ob es sich bei jenem Formular nicht möglicherweise um ein Antragsformular zum erweiterten Waffen-Grundbedürfnis handle, gab mir ein Beauftragter folgendes zu verstehen:

Du muss das Formular komplett ausfüllen (auch wenn weitere Waffen auf WBK gelb ohne Voreintrag erworben werden können) - Oder glaubst Du die WBKs wachsen auf Bäumen?

Nun ja wir im Rheinland pflegen zu sagen: Jeder Jeck is anners, der Schöpfer wird schon seine Freude mit Ihm haben.

Zudem fällt auf, dass nahezu jeder der 20 Landesverbände (unter dem Dach des DSB) nach Gusto seine eigenen Maßstäbe ansetzt. Nach meinen bisherigen Recherchen stellt einzig der Badische Sportschützenverband ein Formular zur Beantragung einer gelben WBK seinen Mitgliedern bereit, wie es den Regularien des §14 Abs.4 WaffG entspräche. Alle anderen tuen es nicht und der DSB ist sich scheinbar auch zu fein dafür.

Wie dem auch sei - mir persönlich blieb also zunächst keine andere Chance den Bedürfnisnachweis einzuholen, also über dieses Formular.

Im Übrigen: Das ein vom Vereinsvorsitzenden bereits erklärte Bestätigung der  "Sportschützeneigenschaften" nochmals durch den RSB als Landesverband für saftige 20€ "geprüft wird" ist frech. Dass ein passionierter Sportschütze wie ich (seit 1985 aktiver Sportschütze beim RSB, Kurz- und Langwaffenschütze bis Landesebene und Besitzer WBK-grün) eine derartige "Prüfung" zur Erlangung einer Waffenbefürwortung für ein Einzellader KK-Gewehr auf eine noch zu erteilende WBK gelb über sich ergehen lassen muss, ist einfach nur noch grotesk.

Mal sehen, was meine Prüfung so ergibt, denn die Geschäftsstelle des RSB teilt mit, dass neues Personal erst ab dem 11.2. hierfür zur Verfügung steht...

Fest steht jedoch heute schon, dass der DSB und seine Landesverbände Ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Die Praxis der Waffenbefürwortungen erfolgt durch viele Verbände – gelinde gesagt – unprofessionell.

Das Bundesverwaltungsamt genehmigt nämlich die Schießsportordnungen der Verbände, auf dessen Basis sich dann Sportschützen wie ich berufen sollen, wenn Waffenbedürfnisse nachgewiesen werden müssen, und zwar vor der Waffenbehörde und dem Verband. Daher sollte jeder Verband es zu seiner Pflicht machen, klare und transparente Formulare in waffenrechtlichen Angelegenheiten als Downloads für seine Mitglieder bereitzustellen, welche einheitlich dem WaffG entsprechen.

Schließlich sieht sich gerade der DSB mit dem "angedrohten" Waffenrechtsverschärfungen durch die EU konfrontiert. Da ist es doch geradezu notwendig in waffenrechtlichen Angelegenheiten eine eindeutige und einheitliche Position zu beziehen. Dieses kann nur erreicht werden, wenn aus dem gleichen Sprachrohr gesprochen wird -überarbeitete, bundeseinheitliche Antragsformulare für waffenrechtlichen Angelegenheiten wären ein sehr wichtiger Schritt hierzu.

Fazit: Eine einheitliche Regulierung und Handhabung bestehender Vorschriften würde auch verbandsübergreifend vieles vereinfachen (auch die Auslastung vieler ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter-das ist lobenswert!) und den Sportschützen sehr helfen. Gerade im Hinblick auf die "angedrohten" EU-Regularien zum Waffenrecht wäre es hilfreich, mit den anderen Landesverbänden im Einklang zu stehen und die "selbe" Sprache zu sprechen.

Autor: Unser Leser Dr. Robert Orosz

Berlin