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Großkaliber ist gefährlich? FALSCH!

Das Bundesministerium des Innern hat 2009 in einer Studie nachgewiesen, dass die Wirkung nicht von einer Kalibergröße abhängig ist.

Das Bundesministerium des Innern hat zur Frage der Einschränkung des sportlichen Schießens mit großkalibrigen Kurzwaffen Stellung genommen.

Link: Bericht der Bundesregierung vom 27. Januar 2010

Die wichtigsten Details in Auszügen:

Grosskaliber ist gefährlich? FALSCH!

Kleinkaliberwaffen sind aufgrund des geringen Rückstoßes leichter zu handhaben als großkalibrige Waffen. Mit ihnen können gleichwohl tödliche Verletzungen herbeigeführt werden, wie der vierfache Mord von Eislingen am 9. April 2009, für den die Waffen Wochen vor der Tat aus der Waffenkammer eines Schützenvereins gestohlen worden waren, und die Amoktaten in Finnland im November 2007 und September 2008 mit insgesamt 20 Toten belegen.

Außerdem sind Geschosse bestimmter kleiner Kaliber durchaus geeignet, selbst Schutzwesten zu durchschlagen. Geschosse in kleinem Kaliber, aber mit hoher Geschwindigkeit, sind ggf. gefährlicher als großkalibrige Geschosse mit geringer Geschwindigkeit.

Gerade bei Amoktaten in Schulen ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und der bisherigen Tatverläufe davon auszugehen, dass das Kaliber der eingesetzten Schusswaffen bezüglich der Auswirkungen auf die Opfer eher von untergeordneter Bedeutung ist.

Neben den fehlenden konkreten Festlegungen (z. B. was ist unter „Großkaliber“ zu verstehen) und den Problemen hinsichtlich des Vollzugs (wie z. B. fehlende technische Lösungsmöglichkeiten, Umgang mit vorhandenem legalen Besitz) ist eine kaliberbezogene Einschränkung des Schießsports im Hinblick auf die Vermeidung des Missbrauchs von Schusswaffen, insbesondere bei Amoktaten, ein eher ungeeignetes Mittel.

Selbst eine Reduzierung des Waffenbestandes im Schießsport auf sogenannte Kleinkaliberwaffen brächte keinen tatsächlichen Sicherheitsgewinn, da auch mit diesen Waffen tödliche Verletzungen herbeigeführt werden können.

Eine Einschränkung des Schießsports würde sich im Wesentlichen auf eine scheinbar „gefühlte Sicherheit“ beschränken, eine Vielzahl von Sportschützen und das Gewerbe hingegen erheblich beeinträchtigen – rund zwei Drittel der Kurzwaffendisziplinen genehmigter Schießsportordnungen betreffen Kaliber oberhalb des Kleinkalibers.

Situation in Deutschland:

http://bundesrecht.juris.de/waffg_2002/index.html

  • Erwerb von Langwaffen durch Jäger ab 18 Jahre (vor 2002 ab 16 Jahre)
  • Erwerb Sportschütze und Großkaliberwaffe unter 25 Jahre nur mit Medizinisch-psychologische Untersuchung (vor 2002 ab 21 Jahre)
  • Schießen unter Aufsicht: Druckluft-, Federdruckwaffen ab 12 Jahre
  • Schießen unter Aufsicht: Kleinkaliber und Schrot-Einzelladewaffen ab 16 Jahre
    (vor 2009 ab 14 Jahre alle Waffen)
  • Ausnahmen gibt es für Jungjäger in der Ausbildung und Leistungssportler auf Antrag

Situation in England

Situation in Kanada:

  • Erwerb ab 18 Jahre
  • Schießen und das Ausleihen von Waffen (auch ohne Aufsicht) ab 12 Jahre

Situation in Neuseeland:

  • Erwerb ab 18 Jahre
  • Schießen unter Aufsicht auf dem Schießstand – ohne Altersbegrenzung
  • Schießen im Gelände unter Aufsicht ab 16 Jahre

Situation in Finnland:

  • Erwerb ab 18 Jahre (als Sammler und für Selbstverteidigung erst ab 21)
  • Ausnahmen für Sportschützen und Jäger ab 15/16 Jahre

Situation in Norwegen:

  • Erwerb ab 18 Jahre (Kurzwaffen ab 21 Jahre)
  • Schießen unter Aufsicht ab 16 Jahre

Anmerkung: Alle Änderungen der Altersgrenzen wurden im deutschen Waffengesetz immer nach Amokläufen – obwohl diese singuläre Ereignisse sind – verschärft.

Am Tag des Amoklaufs von Erfurt (2002) hatte die damalige Bundesregierung gerade darüber beraten, die Altersgrenzen für Sportschützen herabzusetzen, um für den internationalen Wettbewerb besser aufgestellt zu sein.
Keiner der deutschen Amokläufer war aktiver Jäger oder Sportschütze. Auch der Amokschütze von Erfurt war kein aktiver Sportschütze. Die Bewilligungsbehörde in Erfurt hatte sich nicht an das damalige Gesetz gehalten, doch die öffentliche Medienmeinung beeinflusst Wahlergebnisse. Und so wurden die Altersgrenzen im Monat darauf angehoben und verschärft statt abgesenkt.

P.S.: Bis 1977 wurde Biathlon mit Großkaliber-Gewehren geschossen. Gewechselt wurde nur wegen der preiswerteren Munition auf Kleinkaliber.

Katja Triebel

Waffenrechts-Bloggerin, Verfechterin eines liberalen Waffenrechts in Europa, Initiatorin dieser Seite

Berlin